Cybersicherheit in der Online-Bildung – was Anbieter von Online-Kursen, Coachings und digitalen Programmen wissen müssen

Kurzer Einstieg in die wichtigsten Risiken und Mindestmaßnahmen der Informationssicherheit – speziell für Online-Anbieter ohne eigenes IT-Team.

CYBERSICHERHEIT & DATENSCHUTZ EINFACH ERKLÄRT

Dr.Mariia Bohach

5/1/20253 min lesen

Cybersicherheit klingt oft nach Großkonzern, Firewalls und komplexen IT-Lösungen. Für kleine Anbieter von Online-Dienstleistungen ist sie jedoch vor allem eine Frage der Verantwortung: gegenüber Teilnehmenden, Kund:innen und der eigenen beruflichen Existenz. Wer mit personenbezogenen Daten arbeitet, digitale Plattformen nutzt und Inhalte online bereitstellt, trägt automatisch Verantwortung für Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität dieser Informationen.

Gerade in der -Online-Kursen, Coachings und digitalen Programmen ist Vertrauen ein zentrales Qualitätsmerkmal. Teilnehmende erwarten, dass ihre Kontaktdaten, Zahlungsinformationen, Kursunterlagen und persönlichen Notizen geschützt sind. Ein Datenverlust, ein gehackter Zugang oder der unkontrollierte Versand sensibler Informationen kann nicht nur Imageschaden verursachen, sondern auch rechtliche Folgen haben – insbesondere im europäischen Datenschutzrahmen (z.B. DSGVO).

Typische Risiken für kleine Online-Anbieter

Viele Risiken entstehen nicht durch „gezielte Hackerangriffe“, sondern durch Alltagssituationen und Bequemlichkeit:

  • Ein einziges Passwort für E-Mail, Kursplattform und Cloud-Speicher.

  • Gemeinsame Logins, die von mehreren Personen genutzt werden.

  • Offene WLANs oder ungesicherte Geräte, über die auf Kursunterlagen zugegriffen wird.

  • Unübersichtliche Cloud-Ordner, in denen Kursmaterialien und personenbezogene Daten vermischt werden.

  • Nutzung von privaten Messengern für berufliche Kommunikation, ohne klare Trennung von Privat- und Berufsdaten.

Solche Muster machen es Angreifern leicht – und erschweren im Ernstfall die Nachvollziehbarkeit: Wer hatte wann Zugriff? Wo genau lagen welche Daten? Wurde ein Dokument versehentlich öffentlich geteilt?

Vier Mindestmaßnahmen, die fast jeder umsetzen kann

Cybersicherheit muss nicht perfekt sein, um wirksam zu sein. Schon wenige, bewusst gewählte Schritte erhöhen das Schutzniveau spürbar.

  1. Starke Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung
    Verwenden Sie für zentrale Zugänge (E-Mail, Lernplattform, Cloud-Speicher, Zahlungsanbieter) jeweils eigene, starke Passwörter. Ein Passwort-Manager hilft, diese sicher zu verwalten. Aktivieren Sie, wo immer möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung (z.B. Code per App oder SMS). So bleibt ein Konto auch dann geschützt, wenn ein Passwort bekannt wird.

  2. Regelmäßige Updates und Backups
    Halten Sie Betriebssystem, Browser und genutzte Anwendungen aktuell. Viele Sicherheitslücken werden durch Updates geschlossen. Erstellen Sie regelmäßige Sicherungskopien wichtiger Kursunterlagen und Verwaltungsdaten – idealerweise verschlüsselt und getrennt vom Arbeitsgerät. So können Sie bei einem Geräteausfall oder Malware-Befall weiterarbeiten.

  3. Klare Trennung von beruflichen und privaten Kanälen
    Nutzen Sie für Ihre Bildungsangebote klare, berufliche Kommunikationswege (z.B. Geschäftsmail, professionelle Plattformen) und vermeiden Sie es, sensible Informationen über private Social-Media-Accounts oder unsichere Messenger zu versenden. Das schafft Transparenz für Ihre Teilnehmenden und erleichtert Ihnen selbst die Übersicht.

  4. Einfach dokumentieren, wer worauf Zugriff hat
    Notieren Sie in einer kurzen Übersicht, welche Personen Zugriff auf welche Tools und Datenspeicher haben (z.B. virtuelle Assistent:innen, Co‑Trainer, Buchhaltung). Prüfen Sie diese Liste regelmäßig und entziehen Sie nicht mehr benötigte Zugänge. So reduzieren Sie das Risiko unbeabsichtigter Datenlecks.

Wie EAS™ das Thema Cybersicherheit betrachtet

Im Kontext des European Attestation Standard™ ist Informationssicherheit kein isoliertes IT-Thema, sondern Bestandteil eines ganzheitlichen Qualitätsmanagementsystems. In den EAS™-Anforderungen wird unter anderem geprüft, wie Online-Anbieter mit personenbezogenen Daten umgehen, welche Plattformen sie nutzen, wie Zugriffsrechte organisiert sind und ob grundlegende Datenschutzprinzipien umgesetzt werden.​

Für Bildungsinstitutionen und Kursanbieter bedeutet das: Wer sich um Cybersicherheit kümmert, verbessert nicht nur seine technische Infrastruktur, sondern stärkt auch die eigene Glaubwürdigkeit und die wahrgenommene Qualität des Angebots. Ein durchdachter, dokumentierter Umgang mit Daten zeigt, dass Teilnehmende und Klient:innen ernst genommen werden.

Nächste Schritte

Wenn Sie sich in einigen der beschriebenen Risiken wiederfinden, ist das kein Grund zur Panik, sondern ein sinnvoller Startpunkt. Wählen Sie zunächst ein oder zwei Maßnahmen aus – etwa Passwort-Manager einführen und berufliche Kommunikationskanäle klar trennen – und setzen Sie diese konsequent um. Kleine, gut dokumentierte Schritte sind nachhaltiger als perfekt geplante, aber nie realisierte Sicherheitskonzepte.

In weiteren Beiträgen dieser Rubrik werden einzelne Themen vertieft, zum Beispiel die Auswahl sicherer Plattformen, der verantwortungsvolle Umgang mit Aufzeichnungen oder einfache Datenschutz-Hinweise für Ihre Kurswebseite.